Artikel: Sinken die Heizkosten durch milde Winter?
Viele Wissenschaftler sehen – zumindest für den Moment und die kommenden Jahrzehnte – nicht nur negative Auswirkungen der globalen Erwärmung, sondern sprechen ihr bedingt auch einige Vorteile zu. Diese Vorteile werden sich allerdings nur in einer begrenzten Anzahl von Gebieten tatsächlich bemerkbar machen.
Die eher gemäßigten sowie kalten Zonen in Nordeuropa, Russland und Kanada kommen als bevorteilte Zonen in Frage. Hier könnten durch das Auftauen bisher permanent gefrorener Böden Anbaugebiete für Nahrungsmittel gewonnen und weite Regionen landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Auch der Zugang zu den Erdölvorkommen wird in dieser nördlichen Region vereinfacht werden, sodass mit höheren Förderungszahlen zu rechen ist.
Zudem werden sich die Heizkosten, die in diesen Regionen naturgemäß bisher Spitzenwerte erreichten, verringern. Demgegenüber steht allerdings weltweit betrachtet ein erhöhter Energiebedarf für die Nutzung von Klimaanlagen.
Was den Tourismus angeht prognostizierten Wissenschaftler bereits, dass sich neue touristische Optionen eröffnen werden. So könnte zum Beispiel der Tourismus an der Nord- und Ostsee stark ausgebaut werden, da in dieser Region in Zukunft insgesamt mit wärmeren Wetter und weniger Regen zu rechnen ist. Andere Gebiete, die bereits heute aufgrund ihrer angenehmen Temperaturen und niedrigen Niederschlagsmengen stark touristisch frequentiert werden, werden allerdings eher zu den Benachteiligten einer Klimaänderung gehören: Schon heute ist es in einigen Regionen des Mittelmeers in den Sommermonaten derart heiß, dass extremer Wassermangel bei permanent sehr hohen Temperaturen herrscht - was für den Tourismus eher weniger förderlich ist.
Alles in allem werden sich die Unterschiede zwischen den Regionen massiv vergrößern. Dieses wird sich schon innerhalb Europas zeigen: Der Süden läuft Gefahr zunehmend unter Dürre zu leiden, während der Norden ein Plus an landwirtschaftlichen Erträgen zu verzeichnen haben wird und weniger finanzielle Mittel für das zuvor kostenintensive Heizen ausgeben werden muss.
Die aufgezeigten Vorteile sind allerdings nicht langfristig, sondern nur für die nächsten Jahrzehnte zu erwarten. Danach, so sind sich die Forscher bei der derzeitig abzusehenden Entwicklung einig, werden die Nachteile massiv überwiegen, sodass wir uns neuen Problemlagen mit veränderten Ausmaßen werden stellen müssen.