Artikel: Sterben die Korallenriffe?
Der weltweite Temperaturansteig hat Auswirkungen für die Lebensräume von Pflanzen, Tieren und Menschen und bringt die Ökosysteme ins trudeln. Ganze Lebensräume rund um den Globus stehen vor dramatischen Veränderungen.
Als akut bedroht hat der WWF bereits 1992 Korallenriffe eingestuft. Korallenriffe sind durch die ungewöhnlich warmen Wassertemperaturen der letzten Jahre schon jetzt weltweit stark geschädigt. Sie bleichen bei steigender Wassertemperatur rascher aus und sterben ab.
Werden Riffe weiterhin im gleichen Maße geschädigt, wird zum Beispiel das Große Barriere Riff im Nordosten Australiens im Verlaufe einer menschlichen Lebensspanne abgestorben sein.
Im Jahr 2004 veröffentlichte die Fachzeitschrift "Nature" die Nachricht, die alle bisherigen Horrorszenarien noch übertraf. Eine aufwändige Studie der Universität Leeds hatte ergeben, dass bis zum Jahr 2050 über eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben werden, falls der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 und damit die globale Erwärmung nicht deutlich gebremst würden. Die Gefährdung der natürlichen Lebensräume ist zugleich eine Gefährdung unserer Nahrungs- und damit Existenzgrundlage.
Das Szenario für Europa ist detailliert aufgezeichnet. So dürfte es im Norden bei geringeren Veränderungen (plus 1,5 Grad) sogar positive Wirkungen geben: bessere Ernten und weniger Heizenergie-Verbrauch. Ein höherer Anstieg der Temperaturen lässt dies ins Negative kippen: die Ökosysteme können sich nicht anpassen, die Böden tauen länger auf und werden instabil, es gibt vermehrt Hochwasser. Tiefer gelegene Teile des Kreises Pinneberg könnten dauerhaft überschwemmt werden.
Noch angespannter dürfte es für Mittel- und Osteuropa werden: Wasser wird knapp und es gibt Hitzestress bei Mensch, Tier und Pflanzen. Wasserknappheiten entstehen, und Brände in Wäldern und Mooren. Besonders bedrohlich wird das Bild für Südeuropa, wo auch heute schon Wasser knapp ist. Die Ernten sinken gegen null, es gibt noch mehr Brände und Hitzewellen. Insgesamt steigen all die Gefahren, die heute schon registriert werden, weiter an. Die Forscher nennen dabei vor allem Überschwemmungen und Bodenerosionen. Bestehende Landschaften und sensible Systeme sind bedroht: besonders die alpinen Gemeinschaften. An Wintersport wird nicht mehr zu denken sein, Wasser dürfte in vielen Bergdörfern schon bald knapp werden, weil auch die Gletscher immer weniger Schmelzwasser abgeben.
Weltweit sind besonders die Systeme betroffen, die sehr spezialisiert oder in sensiblen Gemeinschaften existieren. Steigt die Temperatur um zwei bis drei Grad, so die Forscher, dürften 20 bis 30 Prozent aller Tiere und Pflanzen aussterben. Die weiteren Auswirkungen dieser Lebensraum-Vernichtung lassen sich nur erahnen.

