05:22 Uhr, 22. Mai 2012
 

Artikel: Flugverkehr Beitrag des SWR

MITTWOCH, 01. SEPTEMBER 2010 / von

Welches Verkehrsmittel nutzen ?

Wie kommt man klimagünstig zum Beispiel von Stuttgart nach Berlin?

 Die Frage stellt sich für Urlauber genauso wie für beruflich Reisende. Allerdings gibt es so viele Alternativen gar nicht: das Flugzeug, den eigenen Pkw oder die Bahn. Welches Transportmittel unterm Strich das Klima tatsächlich am meisten schont, ist nicht leicht zu beantworten.

Die meisten Reisen machen wir ganz selbstverständlich mit dem Auto, steigen manchmal in den Zug und seltener ins Flugzeug. Aber mittlerweile fährt das schlechte Gewissen mit. Kein Grund, sagen die Verkehrsträger, zum Beispiel der Verband der deutschen Automobilindustrie in Frankfurt: "Eine vierköpfige Familie, die mit dem Pkw in Urlaub fährt , verursacht im Durchschnitt einen CO2-Ausstoß pro Personenkilometer, der nicht höher liegt als bei einem durchschnittlich ausgelasteten Fernverkehrszug". Das stimmt zwar, aber nur, wenn auch wirklich vier Personen in einem sparsamen Auto sitzen.

Klimafreundlich reisen, das sei die Stärke der Deutschen Bahn - verspricht zumindest der Leiter des Bahn-Umweltzentrums, Joachim Kettner: "Wir verbrauchen im Durchschnitt im Vergleich zum Pkw zwei Drittel weniger im Fernverkehr. Das wird noch deutlicher im Flugverkehr, wo wir circa 70 Prozent weniger emittieren als dieser Verkehrsträger." Stimmt auch, aber eben nur für Fern- und nicht für Nahverkehrszüge.

Besonders das Fliegen gilt als klimafeindlich. Aber auch wer am Flughafen seinen Koffer eincheckt, muss deswegen kein schlechtes Gewissen haben, sagt Andreas Bartels von der Lufthansa: "Wenn man es auf den Passagier bezieht, dann verbraucht man im Flugverkehr bei der Lufthansa 4,4 Liter pro hundert Kilometer pro Passagier. Das ist weitaus weniger als in manchen Autos." Stimmt wieder, aber eben nur im Durchschnitt aller Flüge. Auf Kurzstrecken verbraucht jeder Flieger deutlich mehr.

Drei Verkehrsträger, und alle drei stellen sich gern als Umweltengel dar. Aber ihre Zahlen gelten immer nur unter bestimmten Bedingungen. Bei der persönlichen Reiseplanung hilft das kaum, denn jede Reise ist anders.

Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe:

"Was jetzt die individuelle Reise angeht: Sie wissen einfach vorher nicht, ob Sie Warteschleifen fliegen, Sie wissen letztendlich auch nicht, ob die Maschine voll oder leer ist, oder ob der Zug voll oder leer ist. Deswegen kann man hier immer nur von den entsprechenden ehrlichen Durchschnittswerten ausgehen. Der jeweilige Verkehrsträger in seinen Berechnungen nimmt dann immer natürlich für sich das Geschönte an. Deswegen: Neutrale Beobachter sind auch die besten Ratgeber."

Unabhängige Zahlen ermittelt im Auftrag der Bundesregierung das Umweltbundesamt. Möglichkeiten, die Bilanz zu schönen, gibt es viele.

Axel Friedrich, Umweltbundesamt:

"Die mittlere Auslastung bei Pkw liegt eben bei 1,45. Bei Zügen liegt sie im Mittel bei 45 bis 50 Prozent und bei Flugzeugen liegt sie, je nachdem, wo Sie hinfliegen, bei 60 bis 80 Prozent. Das heißt: Das hängt davon ab, was Sie vergleichen: Wenn Sie einen Kurzstreckenflug haben, haben Sie natürlich hohe Emissionen, weil natürlich das Starten sehr viel Energie verbraucht. Wenn Sie einen Hochgeschwindigkeitszug haben und der ist am Freitag unterwegs, und hat einen Besetzungsgrad von 140 Prozent, weil er überfüllt ist, haben Sie eine sehr gute Bilanz. Das macht die Sache eben so schwierig."

Hilfe findet sich zum Beispiel im Internet: Der Umwelt Mobil Check der Bahn ist vom Umweltbundesamt geprüft. Er vergleicht den CO2-Ausstoß von Auto, Bahn und Flugzeug für jede gewünschte Strecke. Der Rechner von Atmosfair.de liefert speziell für Flugreisen zuverlässige Zahlen, die aber deutlich höher liegen, weil gleichzeitig auch andere klimawirksame Faktoren berücksichtigt werden. Atmosfair ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die Klimaschutzprojekte fördert. Das Geld dafür kommt von den Reisenden.

Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe:

"Die Frage stellt sich einfach vor der Reise. Brauche ich tatsächlich die Reise? Wenn ich die Reise dann tatsächlich machen möchte, mit welchem Verkehrsmittel reise ich? Diese Entscheidung sollte dann auch so umweltfreundlich wie möglich erfolgen. Das, was dann übrig bleibt an CO2-Emissionen, das kann ich dann kompensieren."

Zum Beispiel durch den Kauf eines Klimaschutz-Zertifikates, in anderen Worten eine Spende für ein klimaschonendes Projekt. Damit kann man dann guten Gewissens auf Reisen gehen.

Ein Beitrag desSWR Fernsehen: Sendetermin: 14.04.2007, 16.29 Uhr, Rasthaus
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Flugverkehr - gibt es umweltfreundliche Alternativen ?